Montag, 30. Dezember 2013

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Hell strahlen die Sterne vom Firmament herab und leuchten mit dem Licht längst vergangener Zeiten. Sie sind ein Geschenk und schweben jede Nacht ganz dicht über meinem Kopf. Wenn der Mond durch die Wolken bricht und die Wiesen und Felder in sein melancholisches Licht taucht, der Dunst von den Wiesen die Sicht einschränkt und ein Käuzchen die Stille der Nacht mit seinem Ruf bricht, ja dann wird es einem doch erst wieder bewusst, die Reinheit des Seins. Die eigene Existenz manifestiert sich doch erst in den bewusst gelebten und erlebten Momenten.

Einst sah ich zu den Sternen auf und entdeckte einen Neuen. Er überstrahlte alle anderen Sterne mit seinem Glanz und ich fragte mich warum ich Ihn nicht schon früher entdeckt hatte. Es schien mir als tauche er die anderen Sterne in sein Licht um ihnen etwas von seiner Leuchtkraft abzugeben. Einige Nächte lang beobachtete ich Ihn aufmerksam, verfolgte seine Bahn die Er am Himmel zog und studierte seinen Schein. Doch ebenso plötzlich wie Er aufgetaucht war, verschwand Er auch wieder, verzweifelt suchte ich Ihn noch, doch ehe ich mich versah hatte ich Ihn schon wieder vergessen. Aber so einfach löscht man seine Erinnerungen nicht aus. 

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Mittwoch, 25. Dezember 2013

Am 6. December

Am 6. December

Wie mich die Gestalt verfolgt! Wachend und träumend füllt sie meine ganze Seele! Hier, wenn ich die Augen schließe, hier in meiner Stirne, wo die innere Sehkraft sich vereinigt, stehn ihre schwarzen Augen. Hier! Ich kann dir es nicht ausdrücken. Mache ich meine Augen zu, so sind sie da; wie ein Abgrund ruhen sie vor mir, in mir, füllen die Sinne meiner Stirn.
Was ist der Mensch, der gepriesene Halbgott! Ermangeln ihm eben nicht da die Kräfte, wo er sie am nöthigsten braucht? Und wenn er in Freude sich aufschwingt, oder im Leiden versinkt, wird er nicht in beyden eben da aufgehalten, eben da zu dem stumpfen, kalten Bewußtseyn wieder zurückgebracht, da er sich in der Fülle des Unendlichen zu verlieren sehnte?

Aus: Johann Wolfgang Goethe, "Die Leiden des jungen Werther" Reclam 2005: S. 199.




Donnerstag, 19. Dezember 2013

Empfindung




Mögen die Tage doch schneller vergehen. Zeit totschlagend ziehen sich die Minuten wie Kaugummi, was soll man nur anfangen mit den wenigen Stunden des Tages die man zu seinem eigenen Zwecke nutzen kann? Zeit totschlagen, dass ist wohl das Bestmögliche, sich hinzusetzen und aus einem Akt der Verzweiflung alles aufzuschreiben was einen bewegt.

Metronomisch vergeht ein Tag nach dem Anderen und ehe man sich versieht ist man ein Teil dieses monotonen Puzzles geworden, und geht als eines von abertausenden Teilen in der Welt unter. So definiert sich die individuelle Freiheit doch nicht gerade darüber in jedem Moment seines Lebens das zu tun wonach einem der Sinn steht? Sich nicht nur innerhalb eines festen Handlungsspielraums zu bewegen sondern die Grenze jeden Tag aufs Neue für sich abzustecken und zu sprengen? Sich einfach nur hinzusetzen und den ganzen Tag über nichts Anderes zu tun als literweise Ingwertee in sich hineinzuschütten und Bücher zu lesen?

Nun wartet man nur auf diesen einen Moment, und hat noch diese schier nie enden wollende, unüberbrückbare, unendlich erscheinende Zeitspanne vor sich, bis der Zeitpunkt gekommen ist an dem sich die Flüsse treffen und man gemeinsam als ein großer Strom entspannt Richtung Delta fließen kann, um auszuloten wie es sich anfühlt und was man empfindet.

Empfindung.







Dienstag, 17. Dezember 2013

Ja und Nein

Über Jahre sich selbst vernachlässigend, seinen Geist verkümmern lassend und nur auf den einen Rausch aus seiend. Nicht schätzen könnend was man doch für ein unbeschreibliches Glück hat, die Zeichen nicht erkennend und unbedacht nur an sich selbst denkende Antworten zu geben. Seinen eigenen Vorteil suchend ohne ein bestimmtes Ziel verfolgen zu können. Orientierungslos sein Leben verstreichen zu lassen um sich am Ende fragen zu müssen wessen man sich selbst eigentlich nicht anzuklagen hat. Wie sich spiegelnde Reflexionen auf unbewegten Wassern quälen mich diese Gedanken. Doch gibt es eine Schuld in dem Sinne oder handelt es sich nicht vielmehr um eine Verkettung von Ereignissen, einen unaufhaltbaren Kreislauf der sich spiralförmig, immer schneller sich drehend, in den Abgrund bewegt. Die rettende Hand wurde mir doch lange genug hingehalten, nur hätte ich sie auch ergreifen müssen, anstatt Sie nicht wahrnehmend mit lachender Miene und doch versteinerter innerer Unzufriedenheit und erkaltetem Herzen immer tiefer zu fallen? 

Nun sitze ich hier am Schreibtisch und beginne über die Dingen nachzudenken und alles aus mir herauszuschreiben was mein Herz so lange verschlossen hielt. Obgleich man doch etwas verloren hat so scheint sich die Last doch vergrößert zu haben und mich arg zu Boden zu drücken. Die vergangene Zeit kann man nicht zurückdrehen, doch wie schön es doch sein könnte nochmals von vorne zu beginnen. Nochmal Kind sein und unbeschwert in den Tag hineinleben, sich um nichts sorgen zu müssen und sich der Liebe seiner Familie sicher zu sein. Unbedarft den Tag damit zuzubringen aus allen Dingen ein Spiel zu machen und die Welt für sich zu entdecken. Selbstständig seine ersten Erfahrungen machend durchs Leben zu gehen und die Natur lieben zu lernen. Wäre es nicht wunderbar nochmal Kind zu sein?

Fragen und Antworten. Ich frage, ich antworte. 

Ja und Nein.


Montag, 16. Dezember 2013

Stille

So lange spürte ich die Wirkung nicht. Doch nun senkt sich ein Schatten über meinen Geist und stoppt den Kreislauf meiner immer wiederkehrenden Gedanken. Der Puls fliegt in mir vorüber und lässt mich träumen. Von vergangenen Zeiten und Erlebtem, von Momenten und Dem was ich einst hatte. Jedoch stärkt mich das so lange nicht Gespürte und lässt mich gravitationslos durch den Raum schweben. Alles was mich umgibt erinnert mich an Sie, mein Blick schweift durch die Kammer und ich erkenne vertraute Dinge in einem neuen Gewand. Dabei stünde mir das Alte weitaus besser.  
Des Nachts wenn ich aus einem dieser Träume erwache, überkommt es mich immer wieder, die Hoffnung, dass ich gerade aus einem Traum erwacht wäre, mich umdrehte meinen Arm um Sie legte und erleichtert wieder in den Schlaf falle.

Stille. 


Sonntag, 15. Dezember 2013

Autobahn

Reich an Bildern und Erinnerungen denke ich wehmütig an die verbrachten Stunden auf der Autobahn zurück. Geradlinig weist der Asphalt einem den Weg, wie auf Schienen gleitet man dahin und lässt die Landschaft an sich vorüberziehen. Ein Streifen jagt den Nächsten und die Leitplanke hält den Wagen auf der Straße. Konzentriere ich meinen Blick auf einen festen Punkt der scheinbar mitfahrenden Leitplanke, habe ich das Gefühl als würde sich die Erde unter mir bewegen und vorübergleiten während ich auf einer Stelle zu schweben scheine, plötzlich verschwindet die Planke im Boden um unverhofft an anderer Stelle wieder aufzutauchen. 

Abfahrt, Ampel, Kreuzung, Parkplatz, drei Stockwerke. 







Samstag, 14. Dezember 2013

604800 Sekunden

1 Woche, 7 Tage, 168 Stunden, 10080 Minuten, 604800 Sekunden. Doch wie verhält es sich mit der Zeit? Schreitet Sie nicht gerade dann viel zu schnell voran, wenn der Moment am ehesten nie vorübergehen sollte um ihn für immer konservieren und erleben zu können. Und hat es nicht den Anschein als würden die Sekunden nur träge vergehen, ja dass der Zeiger sich mühevoll von Zahnrädern angetrieben immer wieder um einen Punkt dreht, um doch nur an ein und derselben Stelle wieder anzulangen welche er bereits vor möglichen Sechzig Sekunden jäh passierte, wenn man gefangen in seinem eigenen Gedankengestrüpp immer wieder an einen Punkt gelangt welchen man, gleich dem Zeiger, vor wenigstens Sechzig Sekunden noch passierte?

So vergeht die Zeit doch nach wie vor in ihrem ewig wiederkehrenden Rhythmus und die Tage ziehen ins Land. Und ehe man sich versieht beginnen die Bäume auszutreiben, die Natur mit neuem Leben zu füllen und die Mühen des Zeigers zu ignorieren. Die Sonne steigt von Tag zu Tag höher am Horizont und wärmt mein Gemüt mit Ihren Strahlen. Ach, wie lang ist es her, dass ich die Sonne zuletzt sah?

604800 Sekunden.


Freitag, 13. Dezember 2013

Klick

Einfach davonfliegen, dem Himmel entgegen. Über Berge und Täler und durch das Wolkenmeer, hinabrauschend knapp über dem Ozean das Wasser streifend, über Baumwipfel hinweg gleitend sich selber suchend zur Mitte streben. Um nichts so vorzufinden wie es einst gewesen ist. Ich erwache und tapse durch die Dunkelheit Richtung Licht, finde den Schalter und mache es wieder aus. 

Klick.  




Montag, 2. Dezember 2013

Es zieht

Ich schaue aus dem Fenster, was ich sehe ist Nichts. Hinausschauend beginne ich zu fallen und gleite langsam wie eine Feder dem Boden entgegen. Auf dem Weg nach unten werde ich von einem Blatt überholt, welches sich anmaßt, schneller Richtung Boden zu fallen als ich es tue. Mir wird schlecht, ich habe das Gefühl als könnte ich mich durchgehend übergeben, mein Mageninhalt würde sich auf dem Pflaster verteilen und eine riesige Lache bilden in der die Stückchen lustig herumplanschten. Stückchenweise riesele ich durch ein Sieb gepresst als Staub zu Boden. Jemand scheint das Fenster aufgelassen zu haben, denn es zieht hier wie Hechtsuppe. Sanft werde ich vom Wind davongetragen und sah mich selbst nie wieder.